Die Entdeckung des Grabes des Pharao Tutanchamun war die womöglich größte archäologische Sensation aller Zeiten. Im Jahr 1922 hatte der britische Ausgräber Howard Carter das Grab nach langer Suche entdeckt; im Februar 1923 öffnete er im Beisein des Finanziers der Ausgrabungen, Lord Carnavon, das Grab medienwirksam.
Ägypten lag zu dieser Zeit im Mittelpunkt des Interesses von Schatzgräbern aller Couleur, wobei die Mandatsmacht Großbritannien das alleinige Recht hatte, in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden Ausgrabungslizenzen zu erteilen. Carter, ein bis dahin eher erfolgloser Schatzgräber und Abenteurer, war bereits früh zu dem Schluss gekommen, dass sich im Tal der Könige noch ein womöglich ungeöffnetes Grab befinden könnte: Das des relativ unbedeutenden Pharao Tutanchamun, der früh gestorben war, so dass wohl keine Zeit geblieben war, ihm ein imposantes Mausoleum zu errichten.
Tatsächlich konnte er das Objekt lokalisieren und es erwies sich als offenbar nicht geplündert, da es noch aus pharaonischer Zeit versiegelt war.
Als Carter und Carnavon 1923 die letzte Ruhestätte des einstigen Herrschers betraten, verschlug es ihnen und auch der gesamten Welt den Atem: Geradezu unvorstellbare Reichtümer waren, unterteilt in drei Grabkammern, hier gelagert. Die Fülle der Reichtümer war und ist noch heute geradezu überwältigend; im Besonderen sei die Totenmaske des Pharaonen zu nennen und dessen goldene Wächter sowie der eigentliche Sarg aus purem Gold. Der Wert des Grabinhalts übersteigt jede Vorstellungskraft.
Für die Archäologie ist von besonderer Bedeutung, dass sich mit den Grabbeigaben und deren Anordnung Rückschlüsse auf die komplizierten Jenseitsvorsellungen im alten Ägypten ziehen lassen. So konnte festgestellt werden, dass neben spirituellen Gegenständen und solchen, die lediglich im Jenseits von Nutzen sein könnten, auch Gegenstände mitgegeben wurden, die der Verstorbene bereits im Leben benutzt hatte: Ein Hinweis aurf einen Glauben, der auf ein jenseitiges Leben ausgerichtet ist, das bereits im Diesseits geführt wurde.
Die heutigen Erkenntnisse über die letzte Ruhestätte des wohl berühmtesten Verstorbenen der Welt lassen indes Zweifel an seinem "Entdecker" Howard Carter aufkommen: Unzweifelhaft wurde die Grabstätte bereits geplündert, ehe Carter und Carnavon sie der Öffentlichkeit präsentierten. Nachdem in Carters Nachlass verschiedene Stücke aus dem Schatz auftauchten, ist allerdings davon auszugehen, dass der Schatzsucher selbst diese Einbrüche begangen hat und sie späterhin inszenierte: Wer hätte im Angesicht solcher Funde anders gehandelt?
Es ist später die Legende vom Fluch der Pharaonen entstanden: Mehrere Mitglieder der Expedition verstarben frühzeitig und unter damals mysteriösen Umständen. Heute wird davon ausgegangen, dass die Männer sich mit Pilzen infiziert hatten, die in dem uralten Gemäuer gewuchert hatten.